Das Forschungsprojekt, eine Kooperation der Eltern- und Schulsozialarbeit der Hilda-Heinemann-Schule in Bochum, der Ruhr-Universität Bochum und der Universität zu Köln, widmet sich den Inklusionsbarrieren, mit denen Familien von Kindern mit Behinderungen im Hilfesystem konfrontiert sind. Die Idee zu diesem Projekt entstand aus einem regelmäßigen Elterncafé, in dem Eltern offen über ihre Erfahrungen und Herausforderungen im Umgang mit Behörden und Hilfesystemen sprachen. Daraus erwuchs der dringende Wunsch, ihre Situation sichtbarer zu machen und gezielt auf die Hindernisse hinzuweisen, die sie täglich erleben. Besonders belastend ist das ständige Kämpfen um Unterstützungsleistungen, die ihnen eigentlich zustehen. Dies führt bei vielen Eltern zu Erschöpfung, Frustration und einem starken Gefühl der Ungerechtigkeit. Auch im Gesundheitssystem fühlen sich Eltern oft nicht verstanden. Diese Barrieren erschweren es den Familien erheblich, ihr Leben und ihre Teilhabe selbstbestimmt zu gestalten.
Um diese Herausforderungen systematisch anzugehen, entstand der Wunsch, konkrete Verbesserungen in den psychosozialen Versorgungsstrukturen, Antragsprozessen und diagnostischen Abläufen im Gesundheitssystem zu erarbeiten. Durch den gezielten Kontakt zu politischen Entscheidungsträger*innen soll erreicht werden, dass Prioritäten hin zu einer stärkeren Bedürfnisorientierung der Familien verschoben werden.
Elternbeteiligung und Co-Kreation sind dabei Herzstück des Projekts. Im Zentrum des Forschungsprojekts steht die ko-kreative Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schulsozialarbeit und Wissenschaft. Die betroffenen Eltern gestalten den gesamten Forschungsprozess aktiv mit – von der Themenfindung über die Durchführung bis zur Auswertung und Kommunikation der Ergebnisse. Sie bestimmen, welche Aspekte ihrer Lebenssituation prioritär untersucht werden sollen.Ein zentrales Element des Projekts sind die Peer-to-Peer-Interviews, bei denen Eltern sowohl als Citizen Scientists als auch als Befragte fungieren. Diese Konstellation schafft ein Vertrauensverhältnis auf Augenhöhe und ermöglicht tiefgreifende Einblicke in die komplexen Lebensrealitäten und alltäglichen Barrieren der Familien – Erkenntnisse, die traditionellen wissenschaftlichen Befragungsmethoden oft verborgen bleiben.
Durch die gezielte Schulung der Eltern als Interviewer*innen sowie die enge Begleitung während des gesamten Prozesses wird sichergestellt, dass die Interviews auf hohem wissenschaftlichem Niveau durchgeführt werden. Dabei wird zudem explizit auf intersektionale Perspektiven geachtet, wie etwa Migrationshintergrund oder Alleinerziehenden-Status, die in rein akademischen Forschungsansätzen häufig übersehen werden.
Organisation:
Ruhr-Universität Bochum
Hilda-Heinemann-Schule Bochum
Universität zu Köln
Kontakt zum Projekt:
Sabrina Fuths
sabrina.fuths@ruhr-uni-bochum.de
Bildrechte:
© Hilda-Heinemann-Schule